arcis edition

Kunst am Markt - Kunst im Netz - ein heiteres Manifest

Was an amerikanischen Kunsthochschulen bereits ein selbstverständliches Lehrfach ist, gilt in unseren europäischen Breiten oft noch als Indiz eines Ausverkaufs von Moral und Künstlerethos: Gemeint sind Merchandising oder selbst schon Public Relation für das eigene künstlerische Werk.

Dieser Online-Text geht dem Thema auf den Grund und beleuchtet dabei die komplexe Verbindung zwischen dem künstlerischen Werk von Günter Benedde und den Produkten des Arcis Verlags.


Manifest


Mujaca



Conquesta


Garuga

Die Ablehnung jedweder Vermarktung mag ein Relikt des Kunstbegriffs der klassischen Moderne sein. Doch genau in jener Epoche liegt die Voraussetzung für zeitgenössische wirtschaftliche Praktiken: Mit der Autonomie des Werks, der Unabhängigkeit von der bildhaften Vermittlung religiöser oder staatlicher Dogmen, ging der Verlust der offiziellen Auftraggeber einher. Die daraus resultierende außerbürgerliche Situation der Künstler wird in der Figur des Bohemiens verkörpert.

Durch das Schwinden des verbindlichen klassischen Paradigmas der Moderne in den 50er Jahren wird die künstlerische Sprache einerseits zum verfügbaren Zitat und Deko der Industrie. So zieren etwa Piet Mondrians Bildelemente einen Duschvorhang oder Joan Miros Formen Vorhangstoffe. Zum anderen jedoch agieren die wirtschaftlich mündig gewordenen Künstler genauso selbständig bezüglich der Vermittlung und des Verkaufs eigener Werke.

So setzen Künstler, deren Auftraggeber vielfach nun die Industrie geworden ist, verstärkt auch im Firmen-Kontext bewusst ihre Sprache ein. Handlungspraktiken, die für beide Seiten wesentlich mehr als ein rein finanzieller Gewinn sind:

Die Werke Günter Beneddes beweisen die gedankliche Durchdringung der künstlerischen Themen in der Auseinandersetzung mit den wissenschaftlichen medizinischen Fakten.

Und so wie die Welterkenntnis im Kunstkontext vertieft wird, fließt sie wieder zurück in das kompetente und ungewöhnliche Erscheinungsbild der Bücher und Poster des Arcis Verlags (s.a. Titelbeispiel Depression).

Andy Warhol verfolgte derlei Strategien der Vermarktung im vergleichbaren Sinne eines Corporate Designs so bewusst wie geschickt. Ähnlich in der Nachfolge Keith Haring, Otmar Alt oder James Rizzi. Doch diese Künstler sind, wohlgemerkt, Repräsentanten einer neuen Bildauffassung, die den Aspekt der Rezeption von Kunst als Teil des Kunstwerks selbst erachten.

Aber wie steht es nun mit dem Verhältnis von Auftraggeber und Künstler?

Aus dem antiken Maecenas, der die Illustration und Erweiterung seines Weltbilds als Moment der Identifikation suchte, wurde der Wirtschafts-Sponsor, der die künstlerische PR sucht.

Die Attraktivität des Produkts steht und fällt mit den Bekleidungen von - in einem Atemzug - Designern und Künstlern. - Auch die Kunst hat Entertainment-Charakter, wie der Space-Art Künstler Josef Bauer zu sagen pflegt.

Melancholie



Tres Marias


alpha



Herz

Dies wirft sowohl Licht auf das Selbstverständnis von Kunst wie auch von Werbung, die längst nicht mehr mit der Anpreisung von Qualitäten um Produkte wirbt, sondern mit der Vermittlung eines exquisiten Lebensgefühls, - eben jenes auch der Kunst. Dabei assoziieren wir die künstlerischen Praktiken weniger mit der Rolle des klassischen Bohemiens, als viel mehr mit dem autonomen Unternehmer.

Genauso wie Kunst Bestandteil von Werbung wurde, vermag Kunst als autonome ökonomische Nische nun logischerweise für sich selbst zu werben. So findet die Kette von Industrie, Kunst-am-Bau, Art Consulting und Galerien ihre umgekehrte, aktive Fortsetzung in der Selbstvermarktung des Künstlers. Eine Demokratisierungsstrategie könnte man letztere nennen, eine natürliche Adaption der massenhaft verbreiteten Medien, die längst als vertraute Kommunikationsformen mit TV, Videokamera, Fotoapparat oder Internet präsent sind.

Im globalen Raum des Internets findet somit genauso die Kunst ihren angestammten Platz zwischen musealer Unberührbarkeit und bloßer Ware. Einleuchtend, dass auch der um Rezeptionsästhetik wohl wissende Künstler Benedde Abbildungen seiner Werke ins Netz stellt.

Mit der Frage nach dem Unikat schließt sich der Kreis der Vervielfältigungspraktiken: Im Bewusstsein der Anforderungen populärer Kultur schufen Künstler wie Andy Warhol ihre Druckserien. Und was sind Drucktechniken wie Siebdruck, Lithographie oder Radierung anderes, als eben jene demokratischen Strategien der Verbreitung und der Erweiterung des Begriffs vom Unikat?

In diesem Sinne hat Benedde das Erscheinungsbild des Arcis Verlags mit der Gestaltung der Titelbilder von Broschüren und Büchern geprägt (s.a. Saur Allgemeines Künstlerlexikon).

Die Radierungen Günter Beneddes sprechen für sich selbst. Mit der Internet-Präsentation dieser Arbeiten bilden sie eine chiffrierte Form der virtuellen Repräsentanz, die den Weg zum Betrachter findet, - um vielleicht als körperhaftes Werk bei ihm heimisch zu werden.

Eva Ruhland


Laterne Magica



Schiffe

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